10 Fragen an Sebastian Steineke


Interview im "Prignitz-Ruppiner Boten" (Ausgabe: September 2017)


1. Ein Wahlkampf ist ein Marathon, wir sind inzwischen auf der Zielgraden. Wie geht es Ihnen? Schon müde oder noch Kraft?

 
Noch Kraft und Spaß dabei! Es ist natürlich anstrengend, ich mache viele Aktionen und versuche, mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt zu treten. Die Rückmeldungen der Menschen geben mir aber viel Kraft, denn ich merke, wie sich die Arbeit aus den letzten vier Jahren auswirkt. Das macht großen Spaß auf weitere vier Jahre als Bundestagsabgeordneter für diese Region. 
 
2. Wie viele Termine machen Sie im Wahlkampf insgesamt?

Seit dem Wahlkampfauftakt am 20. August bis zum Wahltag habe ich fast 100 Termine geplant. Da ist von Infoständen auf dem Marktplatz, persönlichen Gesprächseinladungen von Bürgern bis zu Dorffesten alles dabei. Ich versuche, auch viele eigene Termine zu initiieren statt nur darauf zu warten, irgendwo eingeladen zu werden. Das habe ich 4 Jahre so gemacht und setze es auch im Wahlkampf fort. Ein Abgeordneter muss den Menschen was anbieten und nicht umgekehrt. 
 
3. Beschreiben Sie doch mal einen klassischen Tag im Wahlkampf.

Am Morgen kann ich meine Kinder noch zur Schule bringen und fahre dann zu einem Infostand auf einen Marktplatz. Es geht weiter zu einem Gespräch mit Bürgern, die mit mir über ein spezielles Problem sprechen möchten und mich explizit angeschrieben haben. Danach koordiniere ich weitere Termine und kümmere mich um meinen Facebook-Account. Außerdem schicken mir unsere Teams der Jungen Union Bilder vom Haustürwahlkampf vor Ort. Am Abend habe ich dann eine Veranstaltung zum Thema Windkraft, die ich organisiert habe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Thema in den betroffenen Orten besonders viele Menschen interessiert. So sieht mein Tag oft unter der Woche aus. Am Wochenende bin ich auch öfter bei Dorffesten und ähnlichen Veranstaltungen im ganzen Wahlkreis. Allerdings muss ich sagen, dass mein Kalender nicht nur zu Wahlkampfzeiten so aussieht. Wer mich kennt, weiß, dass ich in den kompletten vier Jahren entsprechend in der Region unterwegs war.
 
4. Überall lächeln Sie von den Laternenmasten und auf Großaufstellern. Ist es eigentlich skurril sich alle zwanzig Meter selbst zu sehen?

(lacht) Ja, etwas skurril ist es schon. Gerade am Anfang war es ungewohnt, mich beim Autofahren selbst an den Straßenlaternen zu sehen, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Ich habe ja schon 2013 Wahlkampf gemacht, damals habe ich aber deutlich weniger Plakate aufgehängt. Jetzt sind es insgesamt 1.500 Plakate, die über die ganze Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und einen kleinen Teil des Havellandes verteilt sind. Dazu kommen dann noch die Plakate der Bundes-CDU und die Porträts von Angela Merkel. 
 
5. Viele sind von den Plakaten auf Dauer etwas genervt. Können Sie das verstehen?

Absolut. Wir konnten bei dieser Wahl ja schon zwei Monate vorher Plakate aufhängen. Solange das möglich ist, wird immer eine Partei anfangen und die anderen werden dann automatisch mitziehen. Das liegt einfach daran, dass es die Wahlchancen verbessert, wenn man lange präsent ist. Ich glaube, wir sollten aber auf Dauer versuchen, uns darauf zu einigen, dass beim nächsten Mal die Plakate erst später und nur in einer begrenzten Anzahl aufgehängt werden. Das würde das Ganze etwas entspannter und angenehmer für die Menschen machen und am Wahltag wäre man nicht mehr so von den Plakaten genervt.
 
6. Sie haben viel im Bundestag zu tun, sind Fraktionsvorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion in OPR und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Neuruppin. Wie schaffen Sie das?

Das Ganze mache ich ja nicht alleine. Zusammen mit meinen Kollegen in der Kreistagsfraktion unterstützen wir uns gegenseitig, das ist eine sehr kooperative Zusammenarbeit. Ansonsten bin ich recht organisiert und versuche, meine Tage gut zu strukturieren, das hilft eine ganze Menge. Außerdem habe ich Spaß bei der Arbeit. Das macht es natürlich leichter, mal etwas länger zu arbeiten und sich in die unterschiedlichen Themen einzulesen. Bei vielen Themen ist es auch sehr hilfreich, sowohl im Bundestag zu sitzen als auch auf kommunaler Ebene aktiv zu sein. Viele Gesetze, die wir im Bundestag beschließen, begegnen mir dann im Kreistag wieder. Man bekommt sehr gut mit, welche Wirkungen die Gesetze für die Menschen vor Ort haben und was wirklich hilft. Da habe ich in den letzten vier Jahren viel mitgenommen. 
 
7. Was machen Sie an einem verregneten Sonntag?

Zeit mit meinen beiden Söhnen und meiner Frau verbringen und gerne auch mal das Handy beiseitelegen. Für ein paar Stunden offline zu sein, ist sehr angenehm. Vielleicht schaue ich noch etwas Fußball-Bundesliga oder lese ein Buch. Das ist leider im Wahlkampf etwas zu kurz gekommen. 
 
8. Was macht ihnen als Abgeordneter denn besonders viel Spaß?

Da gibt es vieles. Aber am schönsten ist es, wenn man sich für etwas eingesetzt hat, was eine ganz konkrete Verbesserung für die Menschen in ihrem Alltag bedeutet. Das kann der Ausbau einer Straße sein, die Einrichtung einer Tempo-30 Zone vor einer Kita oder wenn es einem gelingt, Fördermittel aus dem Bundeshaushalt für ein Projekt in unserer Region zu bekommen. Den Alltag der Menschen vor Ort besser machen, das ist mein eigener Anspruch als Abgeordneter.
 
9. Nach der Wahl wird Angela Merkel wohl Kanzlerin bleiben. Was beeindruckt Sie an ihr?

Lassen Sie uns den Tag nicht vor dem Abend loben, aber es sieht zurzeit ganz gut aus. Bemerkenswert finde ich an Frau Dr. Merkel ihre Besonnenheit, die sie bei ihrer enormen Verantwortung nicht verloren hat. Trotz vieler schwieriger Entscheidungen, die sie täglich trifft, ist ihr dabei der Blick für die schönen, alltäglichen Dinge nicht abhandengekommen. Sie ist eine sehr angenehme Gesprächspartnerin, die für die Anliegen aller Abgeordneten ein Ohr hat. Das ist bei ihrem Arbeitspensum und ihrer Verantwortung nicht selbstverständlich.
 
10. Wenn Sie drei Wünsche für diese Region frei hätten, welche wären das?

Eine gute Verkehrsinfrastruktur, die alle Gebiete gut an das Verkehrsnetz anschließt und schnelle Wege von A nach B ermöglicht. Dass diese unsägliche Kreisreform nicht durchkommt und Perleberg und Neuruppin beide Kreisstadt bleiben. Zu guter Letzt: Dass es uns gelingt, den Wegzug aus dem ländlichen Raum zu bremsen und unsere Region weiter als attraktiven Lebensmittelpunkt zu gestalten.

Herr Steineke, vielen Dank für das Gespräch.
 
 

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