Zu Hause beim Pfarrer

Im Landpfarrhaus Blüthen können Besucher sich ein Bild vom Leben Geistlicher vor 150 Jahren machen

Blüthen. „Bis 1994 lebte und arbeitete hier Pfarrer Dr. Dr. Groß, heute
Kirchenarchiv und Ausstellungsraum“ steht auf einer Tafel vor dem
Grundstück Lindenstraße 22 in Blüthen. Seit Donnerstag stimmt das nicht
mehr so ganz: Jetzt ist aus dem Gebäude, das 1863 nach Standardvorgaben
für ein evangelisches Landpfarrhaus errichtet worden ist, das Landpfarrhaus Blüthen geworden – ein Museum, in dem das Leben eines Pfarrers auf dem Dorf gezeigt wird. Auf 190 Quadratmetern Fläche sind insgesamt sieben Räume zu besichtigen: Nebst Flur, Amtszimmer, Salon, Familienzimmer, Studierzimmer und Küche ist sogar die für Besucher offene Toilette im Stil
der Gründerzeit bis zur Jahrhundertwende zu erleben. Karl Groß, dem letzten Blüthener Pfarrer, der hier 55 Jahre als Geistlicher wirkte, kommt damit eine späte Ehrung zuteil. Denn der Theologe beschäftigte sich auch mit Biologie,
Chemie, Physik, Astronomie, besaß ein Teleskop und einen guten Fotoapparat, mit dem er unzählige Fotos schoss, die in einer großen Sammlung von über 60 Alben abgeheftet wurden. Noch größer aber ist seine
Hinterlassenschaft an Akten, die ebenfalls im Pfarrhaus deponiert sind und einer wissenschaftlichen Bearbeitung harren. Nun ist mit der Eröffnung der erste Schritt getan, denn dieser ging eine lange Zeit der Ungewissheit voraus. In dieser Zeit konnte immerhin eine große Reihe von Unterstützer gefunden werden, für die es nun beim Rundgang durch die Ausstellung im Arbeitszimmer des Pfarrers recht eng wurde: Der Prignitzer Sparkassenchef André Wormstädt, der Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Friedrich-Wilhelm von Rauch, Ausstellungskurator Bodo-Michael Baumunk,
Landrat Torsten Uhe, Karstädts Bürgermeister Udo Staeck, Rainer Walleser vom Brandenburgischen Bildungsministerium, Pfarrer Bernd Krebs von der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (Ebko) sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke.

Besonders Friedrich-Wilhelm von Rauch war die Begeisterung über dieses deutschlandweit einmalige Ausstellungsgebäude anzumerken: „Das Landpfarrhaus Blüthen steht für ein herausragendes Kapitel deutscher Bildungsgeschichte, die sich gerade auch im ländlichen Raum ereignete. Seit 2007 haben wir uns gemeinsam mit der Sparkasse Prignitz konzeptionell und finanziell begleitend für dieses Projekt eingesetzt. Unsere Bewunderung gilt den ehrenamtlichen Impulsgebern und ihrem außerordentlichen Durchhaltevermögen. Und ich wünsche mir, dass es bald an der Autobahn eine Tafel gibt, die auf dieses Museum hinweist. Für die Finanzierung werden wir sicherlich noch irgendwo einen Restbetrag finden.“ Mit den ehrenamtlichen Impulsgebern meinte der Chef der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in erster Linie Ulrich Wolf. Der Landwirt, Ortsvorsteher, Kirchenältester und Vorsitzender des Gemeindekirchenrates ist nichts anderes als der Gründer des Museums, der auf der Eröffnung aber bescheiden im Hintergrund blieb. „Ich freue mich einfach!“ war an diesem Tag von dem Blüthener zu erfahren. Der nächste Schritt wird sein, die Öffnungszeiten des Museums zu gewährleisten. Bis dahin, aber auch zukünftig wird Ulrich Wolf auf Anfrage gern Besuchergruppen durch das Anwesen führen. Info Mail: dorfmuseum@gemeindekarstaedt.de, Tel. 038797-54745

Nach oben