Beachtliches Interesse von Einzelbewerbern

Neue Kandidaten für Direktmandat

Ostprignitz-Ruppin (RA) Bei Olympia werden sie liebevoll „Exoten“ genannt: Außenseiter aus Zwergstaaten, die ohne Gewinnchancen, aber mit viel Herzblut im Wettkampf das Publikum in ihren Bann ziehen. Auch bei der
Bundestagswahl wird es sie geben: Einzelbewerber oder Nominierte von Klein-Parteien, die ums Direktmandat für den Bundestag mitkämpfen werden.
Der Jüngste von ihnen im Prignitz-Ruppin-Havelländer Wahlkreis 056 könnte Corvin Drößler sein. Der Walslebener ist kürzlich erst 18 Jahre alt geworden
und Schüler des Evangelischen Gymnasiums. Von seiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI) ist er nominiert worden – wegen seiner „Intelligenz, Politikerfahrenheit und grenzenlose Schönheit“, wie der Vorstand des Kreisverbands betont. Dass bei der Lobhudelei auch ein bisschen Ironie mitschwingt, ist Programm. Die PARTEI wurde von Satirikern um den einstigen „Titanic-“-Chefredakteur Martin Sonneborn gegründet. Den PARTEI-Kreisverband gibt es in Ostprignitz-Ruppin erst seit wenigen Wochen. Er fordert unter anderem, die Kreisgebietsreform umzusetzen – als Vorstufe des Vereinigens der neuen Länder zu einer Sonderbewirtschaftungszone (SBZ). Bevor Drößler als jüngster Kandidat ins Rennen gehen kann, muss er aber noch 200 Unterstützer-Unterschriften
einholen. „Wir sind schon fleißig dabei, sie einzusammeln“, sagte der Walslebener am Montag dem RA.

Auch Wolfgang Engewicht aus Alt Ruppin sucht Unterzeichner, um als Einzelkandidat ins Rennen ums Bundestagsmandat zu gehen. Bislang ist er noch nicht losgezogen, sagte er am Montag: „Ich bin noch dabei, mein Programm auszuarbeiten“, sagte er. „Schließlich will ich, wenn ich die Unterschriften einhole, auch sagen, warum ich das mache.“ Auch Hans-Georg Rieger aus Linow hat sich mit Formularen für Unterschriften eingedeckt. Der 58-Jährige, der in Rheinsberg eine Rechtsanwaltskanzlei
betreibt und derzeit für Brandenburgs Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler im Kreistag sitzt, hat schon Erfahrung: Vor vier Jahren holte er als Einzelkandidat 1,6 Prozent der Stimmen. „Das war das zweitbeste Ergebnis für Einzelbewerber im Land“, sagte er am Montag. Dennoch will er es offen lassen, ob er es ein weiteres Mal probiert. „Einen endgültigen Entschluss
habe ich noch nicht gefasst“, sagte er. Dass es kein Selbstläufer wird, die
200 Unterzeichner zu gewinnen, zeigt das Beispiel der DKP, die im Wahlkreis 056 mit der Neuruppinerin Martina Krümmling ins Rennen gehen will. Bislang hat sie – wenn man die tabellarische Angabe auf der DKP Webseite
am Montag richtig deutet – vier der 200 Unterschriften zusammen. Um alle komplett zu haben, ist aber noch ein bisschen Zeit: Bis 17. Juli 18 Uhr gilt die Frist zur vollständigen Einreichung der Wahlvorschläge. Kein Problem haben die sechs Parteien, die im Bundestag oder einem Landtag vertreten sind. Sebastian Steineke (CDU), Dagmar Ziegler (SPD), Kirsten Tackmann (Linke), Martin Wandrey (Bündnisgrüne), Michael Nehls (AfD) und Andreas Hoffmann (FDP) brauchen die Unterschriften-Hürde nicht zu meistern – und sind auf dem Wahlzettel am 24. September schon gesetzt. Formblätter für Unterschriften werden kostenfrei von der Kreis-Wahlleiterin bereit gestellt. Anfragen dazu gehen an „Kreisverwaltung Prignitz / Kreiswahlleiterin für den Wahlkreis 056 / Berliner Straße 49 / 19348 Perlberg“, Telefon: 03876 713395, Telefax: 03876 713291, E-Mail: annette.loether@lkprignitz.de

Nach oben