Prignitzer Funkloch-Käse

Bisher wurden 1142 Fälle gemeldet / Besonders schlimm ist es in der Gemeinde Groß Pankow und im Amt Putlitz-Berge

PRIGNITZ Was viele schon wussten, ist nun auch optisch belegt: Der Landkreis Prignitz gleicht einem Funkloch-Käse. Zumindest laut der Karte der
Landes-CDU. Diese wurde als Ergebnis des Funkloch-Melders der CDU-Landtagsfraktion in Potsdam vorgestellt. Seit Anfang Mai haben die
Brandenburger auf der Seite www.funkloch-brandenburg.de mehr als 23 000 Funklöcher gemeldet, davon 1142 im Landkreis Prignitz und 1809 in Ostprignitz-Ruppin. Die Analyse bezieht sich auf die Anbieter Telekom, Vodafone und O2. „Wir hatten durchaus Rückmeldungen, was Funklöcher
betrifft. Besonders schwierig ist der Empfang in Porep, Lockstädt oder auch zwischen Laaske und Triglitz“, berichtet Hergen Reker, Amtsdirektor Putlitz-Berge auf „Prignitzer“-Anfrage. Mehrere Beschwerden habe es von Bürgern in Nettelbeck gegeben. Der Ort liegt in einer Senke, was das Problem wohl
vergrößere, so Reker. Der Bauhof sei von Vodafone zur Telekom gewechselt, weil diese etwas bessere Netzabdeckung bieten könne. „Grundsätzlich bin ich nicht zuversichtlich, dass sich an der Lage schnell etwas ändert. Denn es müssten neue Funkmasten gesetzt werden und wer zahlt das?“, sagt Reker. Auch Marco Radloff, Bürgermeister der Gemeinde Groß Pankow, kennt das Problem, wenn der Handyempfang ausbleibt. „Das zieht sich bei uns durch die ganze Gemeinde.“ Auf der Funklochkarte ist die Region um Groß Pankow von roten Flecken übersäht. Doch nicht nur der schlechte Handyempfang sei das Problem, sondern auch die Internetleistung, sagt Radloff. „Dabei gehört das für mich zur Daseinsvorsorge. Wir leben in einer Touristenregion. Wenn man dann als Urlauber aber an einer Bushaltestelle steht und sich den Fahrplan im Internet ansehen soll, dann geht das vielerorts
nicht“, beschreibt der Bürgermeister den Widerspruch. Ebenfalls tief rot ist auch die Gegend um Bad Wilsnack. „In der Stadt selbst habe ich keine
negativen Erfahrungen gemacht und mir ist auch nichts zu Ohren gekommen“, sagt Bürgermeister Hans Dieter Spielmann auf Redaktionsanfrage.
Sebastian Steineke, der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Nordwesten Brandenburgs, war in diesem Jahr auf Funkloch-Tour mit dem zuständigen wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU Landtagsfraktion Brandenburg,
Dierk Homeyer. Beide bereisten unter anderem Groß Pankow, Wittenberge
und Lenzerwische, um einen Praxistest mit Bürgern zu absolvieren (wir berichteten).

„Durch das aktive Mitwirken der Bürger ist es gelungen, der Landesregierung von SPD und Linke die Schwachstellen vor Augen zu führen. 1142 Funklöcher im Landkreis Prignitz sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, dass es bei uns viele weiße Flecken beim Handyempfang und mobilem Internet gibt“, sagte Steineke. „Eine stabile und zuverlässige Anbindung an digitale Kommunikationswege ist entscheidend, damit wir als Region attraktiv bleiben.“
So sei auch der Dialog mit den Netzbetreibern wichtig, vor allem um sogenannte Wirtschaftlichkeitslücken zu identifizieren – also Gebiete, in denen ein Ausbau der Mobilfunkversorgung wirtschaftlich unattraktiv ist, weil es zu wenig Kunden gibt. „Es muss aber auch geklärt werden, welche Möglichkeiten staatlicher Förderung es gibt, um diese Wirtschaftlichkeitslücken zu schließen“, so Steineke. Landrat Torsten Uhe verweist darauf, dass die Bundesländer Baden-Württemberg und Brandenburg das Thema Verbesserung der Mobilfunkversorgung auf der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz eingebracht haben. Dort wurde der Bund beauftragt, ein konkretes Maßnahmepaket unter Beteiligung der Länder und Kommunen zu erarbeiten. Darüber hinaus wurde der Bund aufgefordert, sich bei der EU-Kommission dafür einzusetzen, dass Lückenschlüsse beim Mobilfunk förderfähig werden. „Diese Förderung muss auch den ländlichen Raum beinhalten, ansonsten sind weitere Verwerfungen zwischen metropolnahen und metropolfernen Regionen zu befürchten“, so Uhe. Reik Anton

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