Kreistag mit eigenem Bahn-Papier

Gemeinsame Resolution aller Fraktionen / Kritik am Alleingang von Landrat Ralf Reinhardt

Ostprignitz-Ruppin (RA) Der Kreistag hat mit einer alle Fraktionen
übergreifenden Resolution den künftigen Landesnahverkehrsplan abgelehnt.
Der Landesplan sieht bis 2023 keine wesentlichen Verbesserungen des Zugverkehrs vom Landkreis nach Berlin vor. Deshalb fordert der Kreistag eine „unverzügliche Durchbindung des Prignitz-Expresses RE 6 bis mindestens
Berlin-Tegel“. Zudem müsse es dort mehr Zugverkehr geben und ein zweites Gleis von Neuruppin nach Hennigsdorf geschaffen werden. Auch der ganzjährige Betrieb auf der Bahnstrecke zwischen Löwenberg und Rheinsberg sei wieder einzurichten. Derzeit gibt es dort nur von April bis Oktober Zugverkehr. Dabei könnten, so die Resolution, die Regionalbahnlinien
12 von Templin und 54 von Rheinsberg so miteinander verbunden werden, dass deren Triebwagen-Paare zu Pendlerverkehrszeiten so geteilt werden, dass sowohl Rheinsberg als auch Templin etwas davon haben. Schließlich will der Kreistag noch eine Spätzug-Verbindung von Nauen nach Neustadt bis Wittenberge, den rascheren Bau eines Haltepunkts in Kyritz-Nord sowie weitere Zugpaare auf der Bahnlinie 73 zwischen Kyritz und Meyenburg mit voller Eigenfinanzierung des Landes.

Der Kreistag hat die Resolution am Donnerstag einstimmig verabschiedet und Landrat Ralf Reinhardt (SPD) beauftragt, damit ans Land heranzutreten. Pikant: Reinhardt selbst hatte bereits einen Aufruf gegen den Landesnahverkehrsplan auf den Weg gebracht und damit rund 3 000 Unterschriften gesammelt. CDU-Kreistagsfraktionschef Sebastian Steineke (CDU) kritisierte Reinhardts Vorstoß aber als Alleingang: Er hätte viel mehr Gewicht gehabt, wenn der Landkreis
insgesamt an der Ausarbeitung beteiligt gewesen wäre. Die Kreis-CDU hatte in dieser Woche Reinhardt vorgeworfen, „beim Thema Direktanbindung des Prignitz-Expresses ins Berliner Zentrum in acht Jahren kein Stück weiter gekommen“ zu sein. „Seine Parteikollegen in Potsdam lassen ihn regelmäßig abblitzen“, so Kreispartei-Chef Jan Redmann. Diese Kritik folgte auf die Nominierung Reinhardts zum SPD-Kandidaten für die Landratswahl im kommenden Jahr. Termin dafür ist der 22. April.

Nach oben