Mühsames Zählen, schnelle Weitergabe

Die AfD punktet besonders in Heiligengrabe und Rheinsberg – CDU-Mann Steineke erhält die wenigsten Stimmen in Wittenberge und Neuruppin – SPD-Frau Ziegler gewinnt in Wittenberge

Neuruppin/Perleberg. Zahlen konnte am Montag wohl keiner mehr sehen:
Bis 1 Uhr am Montagmorgen waren in Perleberg Annette Löther, Wahlleiterin für den Bundestagswahlkreis 56, und ihr Team im Einsatz. Die Gemeinde Groß Pankow in der Prignitz sei die erste Kommune gewesen, die ihre Stimmen komplett ausgezählt und weitergemeldet hatte. „Wir haben sie um 21 Uhr entlassen“, sagte Löther gestern. Auch andere Kommunen im Landkreis
Prignitz waren dank des Wahlprogramms rasch fertig. Deren Wahlleiter senden das Ergebnis nach Perleberg, wo es in die Wahlapp eingepflegt wurde. So konnten die Bürger die Ergebnisse fast zeitgleich auf der Internetseite mitverfolgen. Ähnlich lief es in Neuruppin. Die Kreisverwaltung hatte ebenfalls auf die Wahlapp verwiesen. Im Landesvergleich lag der
Wahlkreis 56 dennoch auf dem vorletzten Platz. „Ein Briefwahlvorstand in Wittstock kam mit dem Zählen nicht nach“, sagte Löther. Dort waren 1500 Stimmzettel auszuzählen. Zudem habe das Amt für Statistik immer wieder nachgefragt, weil einige Ergebnisse nicht so richtig zu den Vorwahlbefragungen gepasst hätten. „Da wird dann genau geprüft“, sagte Löther. „Aber manche Wähler entscheiden sich eben noch um.“ Wo aber haben die Parteien nun am besten abgeschnitten? Die Alternative für Deutschland (AfD) erhielt in Heiligengrabe (21,8 Prozent), in Rheinsberg (21,5 Prozent) und im Amt Putlitz/Berge (21,1 Prozent) einen besonders großen Zuspruch. Auch bei den Erststimmen für den Direktkandidaten Michael Nehls konnte dieser in Heiligengrabe (21,7 Prozent) sowie in Rheinsberg und Neuruppin (je 21,6 Prozent) am höchsten punkten. Den geringsten Zuspruch erfuhr Nehls im Amt Gumtow (15,3 Prozent), in der Stadt Pritzwalk (15,4 Prozent) sowie im Amt Neustadt (15,6 Prozent).

Der wiedergewählte Direktkandidat Sebastian Steineke (CDU) erreichte indes ausgerechnet in Neuruppin (28,9 Prozent) und Wittenberge (26,6 Prozent) seine schlechtesten Werte. In den anderen Wahlkreisen lag Steineke zumeist deutlich über der 30-Prozent-Marke. Die größte Zustimmung gab es für den Neuruppiner Rechtsanwalt in Rheinsberg und im Amt Gumtow mit je 34,4 Prozent. Damit lag Steineke auch über dem dortigen CDU Ergebnis: In Rheinsberg kamen die Christdemokraten auf 27,3 Prozent der Zweitstimmen, im Amt Gumtow auf 31,8 Prozent. Die SPD erzielte im Amt Temnitz mit 18,8 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis, während sie in Pritzwalk (23,2 Prozent) und Wittenberge (24,7 Prozent) die meisten Stimmen holte. Direktkandidatin Dagmar Ziegler, die in Wittenberge wohnt, hatte in der Elbestadt bei den Erststimmen auch die Nase vorn. Auf Ziegler entfielen dort 32,0 Prozent, auf Steineke 26,6 Prozent. Allerdings gewann die CDU bei den Zweitstimmen auch in Wittenberge – mit 28,0 Prozent zu 24,7 Prozent. Ziegler fuhr ihr
schlechtestes Erststimmenergebnis im Amt Neustadt ein, dort kam sie auf lediglich 19,8 Prozent. Die Linken erzielten ihr bestes Zweitstimmenergebnis in Kyritz (18,5 Prozent) und in Wittenberge (17,9 Prozent), während sie in
Meyenburg (15,1 Prozent) und im Amt Plattenburg (15,6 Prozent) die
schlechtesten Werte hinnehmen mussten. Bei den Erststimmen konnte Kirsten Tackmann besonders in ihrer Heimat punkten: In der Gemeinde Wusterhausen stimmten 22,3 Prozent der Wähler für die Tierärztin, in Kyritz sogar 23,8 Prozent. In beiden Regionen lag Tackmann auf Rang zwei – hinter Steineke und vor Ziegler und Nehls. Das gelang ihr nirgendwo anders. Zwar
erreichte Tackmann in Rheinsberg 23,0 Prozent der Erststimmen. Aber damit lag sie nur knapp vor AfD Mann Nehls (21,6 Prozent), aber deutlich vor SPD-Frau Ziegler (26,2 Prozent) und CDU-Mann Steineke (34,4 Prozent). Es dürfte spannend werden, welche Schlüsse die Parteien und Kandidaten aus den Wahlergebnissen ziehen.

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