Der engere Bezug zum Baum

Auf Behrendts Hof in Nackel kann jeder die eigene Weihnachtstanne schlagen / Neuruppiner haben das schon öfters getan

Nackel/Neuruppin (RA) Wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für den noch ungeschmückten Weihnachtsbaum. Die Nordmann-Tannen auf Behrendts Hof in Nackel jedenfalls werden regelmäßig das Jahr über „an ihrer Spitze gekniffen“, wie Heide Guhl-Behrendt sagt. Das sorgt für langsamen und umso geraderen Wuchs. Kleine Narben sind deshalb in der Rinde des jungen Stamms zu sehen – dort, wo in frühen Morgen- oder späten Abendstunden
der Saft ausgekniffen wurde. Nur, wenn man genau hinschaut, sind die Riffel zu sehen. Ansonsten geht das Auge über vor lauter, dunkelgrüner Nadelpracht, kräftigen Zweigen, die auf bunten Schmuck warten, und einem in
purer Gleichmäßigkeit gewachsenen Baum. Behrendts Weihnachtsbaum-
Anbau hat eine lange Tradition. Joachim Behrendt fing schon nach der Wende damit an. „Er hat den Wald einfach geliebt“, nennt seine Frau Gisela den
schlicht klingenden Grund dafür. Im vergangenen Jahr ist er gestorben. Begraben wurde seine Asche unter einer Roteiche – wie er es sich gewünscht hatte. Gisela Behrendt und Heide Guhl-Behrendt stemmen den
Weihnachtsbaumverkauf nun allein mit ihrem Hofmitarbeiter. Es gehe nicht darum, Gewinne zu machen, sondern um das, was ihrem Vater vorschwebte: „Er wollte immer Event haben“, so die 44-jährige Tochter. Betriebsgruppen
konnten die Bäume selbst schlagen, dazu gab es in der Scheune Musik, Glühwein und Leckeres vom Wild. Kollegien wie die des Amtsgerichts Neuruppin weilten schon dort, und auch in diesem Jahr haben sich diverse größere Unternehmen wie die Wohnungsbaugesellschaft und das Rote Kreuz
für eine Betriebsfeier mit Weihnachtsbaum-Reservierung angemeldet.
Vorbeigeschaut hat am Dienstag auch der Neuruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU): „Wer seinen Baum selbst schlägt, hat doch ein ganz anderes Verhältnis zu ihm“, sagt er. „Anders, als wenn man ihn von der Stange weg kauft.“

So geht es auch jenen, die in diesem Jahr wieder in Nackel vorbeikommen, um ihre Tanne zu schlagen. Viele kommen kurz vorm Fest, einige waren aber jetzt schon da. „Wichtig ist, dass der Baum nicht gleich in die Stube gebracht wird, sondern erst mal in der Garage gelagert wird“, sagt Heide Guhl-Behrendt. Dann hat man auch noch sehr lange Freude an ihm und seinem grünen Nadelschmuck. Die Farbe hat in diesem Jahr einen besonders dunklen Ton bekommen. Denn Behrendts hatten nach einem Messeauftritt
einmal Experten nach Nackel eingeladen. „Sie haben festgestellt, dass unsere Bäume sehr hell waren“, so Gisela Behrendt. Als Grund machten sie mangelhafte Düngung aus. Also gab es in diesem Jahr Kalkammonsalpeter
hinzu. Den Bäumen hat es gutgetan. Sie strotzen nur so vor sattem Grün.
Ansonsten steckt viel Arbeit in dem Zubrot des Behrendt’schen Hofes. Unkraut muss regelmäßig gejätet werden. Stets müssen neue Pflanzen in die Erde. Dann das regelmäßige Kneifen der Spitzen – immer zwei-, dreimal an jeder Seite des jungen, biegsamen Stammes. Dann braucht es sieben bis zehn Jahre, um einen gewöhnlich großen Christbaum absägen zu können.
Derzeit gibt es ein Preisgefälle für solche Gewächse. Laut Heide Guhl-Behrendt haben vor rund zehn Jahren viele Schweine haltende Landwirte in Dänemark wegen der besseren Umsatzaussichten auf Nordmann-Tannen-
Anbau umgestellt. „Das bekommt der Markt jetzt zu spüren“, sagt Guhl-Behrendt, sprich: Es gibt derzeit ein großes Angebot an Nordmann-Tannen. In Nackel ist der Baum bis anderthalb Meter Höhe für 23,50 Euro zu haben, bis zweieinhalb Meter für 27 Euro. Auch größere Wuchshöhen sind mit
entsprechend wachsendem Preis im Angebot. „Wir haben dafür jeden Tag geöffnet“, sagt Heide Guhl-Behrendt. „Und bei uns kann man auch am 24. noch kommen, um den richtigen Baum zu finden.“ Auf Behrendts Hof gibt es am Sonnabend, 16. Dezember, einen ländlichen Weihnachtsmarkt rund um die Scheune – inklusive des Weihnachtsbaumschlagens. Beginn ist um 10 Uhr. Erwartet wird das Musik-Duo Twinzz, der Weihnachtsmann erscheint um
13 Uhr und um 14 Uhr ertönt Gospelchor-Musik.

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