SPD und CDU dominieren Landratswahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Reinhardt und Kandidat Sven Deter bleibt aus

Ostprignitz-Ruppin. Ralf Reinhardt (SPD) und Sven Deter (CDU) ringen am 6. Mai in der Stichwahl erneut um den Landratsposten. Mit Wahlempfehlungen
für den 6. Mai hielten sich die drei unterlegenen Kandidaten aber zurück.
Neuruppin, 18.40 Uhr. Die SPD hat auf eine große Wahlparty verzichtet und erwartet in der Friedrich-Engels-Straße die Ergebnisse. Dort, im Raum der
Kreis-SPD, tagen die Jusos und halten Wahlen ab. Am Ende eines ovalen Tisches sitzt Ralf Reinhardt, blickt oft auf sein Smartphone und drückt immer wieder oben rechts auf den kleinen Bildschirm. Dort ist der Aktualisierungs-
Button der entsprechenden Internetseite für die Wahlergebnisse. Neugierig schaut auch der Landtagsabgeordnete Manfred Richter, ehemals Rheinsberger Bürgermeister, auf Reinhardts Telefon. Um 19 Uhr soll es hier offiziell losgehen. Was sie sehen, ist schon nach einer halben Stunde ein ordentlicher Vorsprung für den eigenen Kandidaten statt des von vielen erwarteten Kopf-anKopf-Rennens. Und während die Jusos noch versuchen, ihre Sitzung ordentlich zu Ende zu bringen, kommen immer mehr Genossen
vorbei: Sven Alisch und Heidemarie Ahlers, Vize-Landrat Werner Nüse und Kreis-Pressesprecherin Britta Avantario. Die Stimmung ist gelöst, zumal sich
am Ergebnis wenig bewegt. Reinhardt will noch etwas warten, bis er den sich abzeichnenden Teilerfolg öffentlich kommentiert. Als noch rund 20 Stimmbezirke offen sind, darunter auch die Briefwahlbezirke, sagt er: „Ich freue mich über das große Vertrauen, das die Menschen in OPR mir geschenkt haben. Gewünscht hätte ich mir, das noch mehr Menschen an die Urnen gehen. Vielleicht glückt uns in zwei Wochen die Direktwahl. In den
nächsten beiden Wochen werde ich die Aufgaben nicht vernachlässigen und für die Stichwahl werben. Ich hoffe, dass die anderen Kandidaten fair sind und
wieder zur Wahl aufrufen.“ In seiner Heimatstadt Kyritz holte Reinhardt zwei Drittel der abgegebenen Stimmen. Bei der CDU-Wahlparty im Alten Casino in Neuruppin ist schon um 18 Uhr ein volles Haus. Vom CDU-Bundestagsabgeordeten Sebastian Steineke bis zum einfachen Mitglied aus
der Region sind Christdemokraten da, stillen ihren Hunger mit Bockwurst und Kartoffelsalat und starren auf den Bildschirm oder ihre Handys. Landratskandidat Sven Deter gibt sich zuversichtlich und erklärt, dass die Stichwahl das Ziel ist. Als um 18.15 Uhr die ersten Wahllokale fertig ausgezählt haben und die SPD vorn liegt, kommentiert Steineke, dass es eine
lange Nacht werden kann. Doch relativ schnell wird dann klar, dass Deter an zweiter Stelle liegt und einen sicheren Abstand zum nächsten Kandidaten hat.
Nach nicht einmal einer halben Stunde haben bereits mehr als die Hälfte der Wahllokale fertig ausgezählt. Der Trend wird immer klarer und Deter gibt nun
auch seine Bewertung: Die Wähler würden sich einen Wechsel an der Spitze des Landratsamtes wünschen. Gute Stimmung herrscht bei der Wahlparty der Linken. Auch hier geht es gegen 19 Uhr los. Während vor der Neuruppiner
Geschäftsstelle in der Schinkelstraße gefeiert wird, sieht sich Christian Scherkenbach (parteilos), der für die Partei antrat, die Wahlergebnisse an. „Ich bin zufrieden“, sagt er mit Blick auf den dritten Platz in der Wählergunst.
15,7 Prozent der Stimmen hat der Mediziner erreicht. Ein Ergebnis, mit dem auch Justin König, Geschäftsführer des Kreisverbands der Linken und
Wahlkampfleiter zur Landratswahl, zufrieden ist. „Der dritte Platz und ein besseres Ergebnis als die AfD waren unser Mindestziel, das haben wir erreicht“, sagt er gegenüber dem RA. In einigen Wahlbezirken liegt der Mediziner sogar vorne. Im Vorfeld der Wahl hatte es so manchen gegeben, der nicht für Christian Scherkenbach stimmen wollte – nicht etwa, weil er für das Amt nicht geeignet sei, sondern vielmehr, um ihn nicht als Arzt zu verlieren. Scherkenbach sieht das Wahlergebnis entspannt: „Ich war bereit“, sagt er, und auch den Wahlkampf in den vergangenen Wochen möchte er nicht missen: „Ich bin dankbar für die Zeit, es war eine bereichernde
Lebenserfahrung.“ Jetzt möchte Christian Scherkenbach die Situation aus der
Sicht des Aufsichtsratsvorsitzenden der Ruppiner Kliniken beobachten und den beiden Kandidaten für die Stichwahl „auf den Zahn fühlen“. Erst danach
werde er eine Wahlempfehlung aussprechen. Vom Wahlsieger erhofft sich Scherkenbach, dass vor allem im Bereich Mobilität einiges passiert. „Damit steht und fällt die ganze Sache“, ist er überzeugt. Auch das Thema der Bürgerbeteiligung gelte es zu beackern. „Das muss ein Landrat machen, der kann sich nicht acht Jahre lang verstecken“, so der 58-Jährige. Der Kreisverband der Linken werde sich laut Justin König am Montagabend beraten und dann seine Empfehlung aussprechen. Petra Hentschel von der Alternative für Deutschland (AfD) sagte, dass man das zweistellige Ergebnis als Erfolg werte. Es sei ein Weg in die richtige Richtung. „Nach der Wahl ist
vor der Wahl“. Eine Wahlempfehlung gab sie ab, ohne einen Namen zu nennen. „Wir stehen hinter dem Kandidaten, der die Heimatabende veranstaltet hat“, sagte sie, „dem würde ich meine Stimme geben.“ Er sei der Kandidat mit der größeren Nähe zur AfD, begründet sie. Ob dies auch eine Empfehlung an die AfD Wähler sei, lässt sie offen. Mit einer echten Wahlempfehlung möchte sich auch Hand-Georg Rieger (BVB/Freie Wähler)
am Wahlabend zurückhalten. „Ich warte darauf, ob die Themen Verschwendung, Ökologie und Transparenz, die ich im Wahlkampf angesprochen habe, nun von einem der anderen Kandidaten übernommen werden“, sagt er. „Wenn das geschieht, werde ich meine Empfehlung
aussprechen.“ Unabhängig davon möchte er diese Themen auch selbst in seiner politischen Arbeit weiterverfolgen, da er damit im Wahlkampf von Bürgern viel Zuspruch erfahren habe. „Das Ergebnis ist besser als befürchtet
und schlechter als erhofft“, schätzt er ein. Das liege unter anderem am sehr kurz gehaltenen Wahlkampf. Von manchen habe er auch gehört, er würde einfach der falschen Partei angehören. Und trotzdem sei insgesamt das Ergebnis seiner Partei im Vergleich zur letzten Kreistagswahl sogar noch verbessert worden, sagt Rieger.


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