Im Pritzwalker Zahnradwerk bewegt sich etwas

Europa-Parlamentarier Christian Ehler besuchte den Traditionsbetrieb

Pritzwalk. Es tut sich etwas im Pritzwalker Zahnradwerk auf dem Weg der Konsolidierung. Gerade einmal etwas mehr als ein Jahr nach der Übernahme des Unternehmens durch die Gruppe Andreas & Peiffer zeigt die Entwicklung klar nach oben, so dass das Unternehmen seinen Beschäftigten sogar zum 1. April eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent genehmigt hatte. Am Mittwoch nun besuchte der CDU-Europa-Abgeordnete Christian Ehler zusammen mit seinem Bundestagskollegen Sebastian Steineke das traditionsreiche Werk
und ließ sich die Produktionsstätten zeigen. Mit dabei auch: Uwe Büttner,
Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz und Pritzwalks Bürgermeister Ronald Thiel. Lag der Monatsumsatz im April 2017 noch bei 1,4 Millionen Euro, so nähert man sich im Mai 2018 der Zwei-Millionen-Marke. Nach Angaben von Geschäftsführer Tom Peiffer könnte der Jahresumsatz
schließlich bei etwa 23 Millionen Euro liegen. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 165 auf 190 gestiegen. Ei wichtiger Punkt: In Sachen Liefertreue hat man sich seit der Übernahme von 50 Prozent auf über 80 Prozent gesteigert. Hier lag auch ein Problem, dessen sich die neue Führung annehmen musste. Hermann
Andreas erklärte: „Unsere Innovationstätigkeit lag im Fertigungsprozess und in der Digitalisierung.“ Was aber macht das Zahnradwerk besonders aus? „Wir sind ein Dienstleister und arbeiten grundsätzlich nach Zeichnungsvorlagen“,
erklärte Vertriebsleiter Reiko Viereck. Für jedes Bauteil werden eigene Arbeitspläne erstellt, die sich je nach Anforderungen auch sehr unterscheiden. „Das Knowhow steckt hier im Herstellungsprozess“, erklärte er. Darin ist das Unternehmen offenbar gut, was allein schon die umfangreiche Referenzenliste
zeigt, die von der Deutschen Bahn über Liebherr, Siemens und Rolls Royce bis hin zu Bombardier viele bekannte Namen umfasst. Das Pritzwalker Zahnradwerk ist international orientiert und hat Geschäftskontakte in die USA, nach Bolivien, Finnland, Frankreich, Italien oder auch Australien. Hauptabsatzmarkt ist aber Deutschland. Produkte aus Pritzwalk werden in Ölplattformen, in der Schiffs- und Antriebstechnik, in der Windkraft, für Druck- und Papiermaschinen oder auch in der Gießerei- und Walztechnik eingesetzt.
Das Gespräch mit Ehler diente dazu, Möglichkeiten für die zukünftige
Entwicklung des Werks und die künftige politische Unterstützung auszuloten. Wichtig war es dem EU Parlamentarier, die Unternehmer auf die sich ändernden Bedingungen für Förderung hinzuweisen. Er riet dem Unternehmen, sich künftig auch auf dem Sektor Luftfahrttechnik einzubringen. Das finden Tom Peiffer und Hermann Andreas auch interessant – bislang aber musste für sie die Unternehmenskonsolidierung im Vordergrund stehen.
Pritzwalks Bürgermeister Ronald Thiel freut sich über die Entwicklung im Zahnradwerk, wobei er die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt dafür als nachrangig ansieht: „Viel wichtiger aber ist es, dass wir für die Beschäftigten eine Perspektive finden“, sagt der Bürgermeister. In Gesprächen mit ihnen hat er erfahren: „Die Belegschaft sieht, dass sich etwas bewegt.“ Das war nicht
selbstverständlich, denn zu Beginn der Übernahme regierte zunächst die Ungewissheit. „Es war damals für viele Familien eine große Anspannung
da“, meinte Thiel. Sebastian Steineke erinnert sich daran, dass all diejenigen, die zur Rettung des Zahnradwerks etwas anschieben wollten, sehr froh darüber waren, „dass das jemand betreuen wollte“. Im übrigen war die Gruppe nach Angaben von Hermann Andreas auch der bevorzugte Partner des früheren Eigners Heiner van de Loo. Davon, dass die Zahnradproduktion
Zukunft hat, sind Peiffer, Andreas und ihre Mitstreiter völlig überzeugt.
Christian Müller zum Beispiel sieht trotz aller Veränderungen für die nächsten Jahrzehnte ausreichend Bedarf für die Pritzwalker Produkte. Und Hermann
Andreas meint: „Solange Kräfte übertragen werden, brauchen wir Zahnräder.“


Nach oben